Ein Kulturpark für Koblenz?

Auf dem Areal des Gewerbeparks am Sender sollen Proberäume, Ateliers und eine Open-Air-Konzertfläche entstehen

Kultur lokal / NR. 67 · MONTAG, 21. MÄRZ 2022 / Redakteur Stefan Schalles
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Koblenz. Wenn Johannes Thon den Blick schweifen lässt über die von Moos bedeckten Parkflächen, sieht er die Zukunft in klaren Umrissenvor sich. „Da hinten kommt die Bühne hin“, sagt er und weist mit dem Finger auf das gegenüberliegende Ende des Areals. „Und dort wollen wir eine Chill-out-Zone errichten.“ Noch sind all das nur Ideen, umzusetzende Konzepte.

Doch die Vision dahinter ist eindeutig:
Wo heute der Gewerbepark am Sender in Lützel liegt, soll noch in diesem Jahr der Koblenzer Kulturpark entstehen.

Die tatsächliche Dimension dieses Vorhabens ist bislang allerdings nur zu erahnen, (noch) existieren die von Thon skizzierten Bilder ausschließlich in seinem Kopf, wenngleich der 55-Jährige in seinen präzisen Formulierungen keinerlei Zweifel an der Umsetzung seiner Pläne lässt. Der Koblenzer ist ein Kulturmacher: Filmkomponist, Musiker, Promoter. Einer, der ohne Grenzen denkt, den die Unruhe treibt, der gern anpackt.

Gelände soziokulturell erschließen Die Betreiber des Gewerbeparks, erzählt er, habe er vor sechs Jahren kennengelernt und über den Parkplatz, auf dem er nun steht, schon damals gesagt: „Es ist eine Schande, dass so ein wundervoll gelegener Ort mit seinen Grünflächen und den Bäumen nicht anderweitig genutzt wird.“ Für ihn sei seither klar gewesen, dass sich dieser Zustand ändern müsse. „Ich wollte das Gelände soziokulturell erschließen“, erklärt Thon. Ein Traum, den er nun wahr werden lässt.

Auf dem rund 18 000 Quadratmeter großen Areal wird der Kulturpark dabei Nachfolger namhafter Anlieger: Die Flächen nördlich der Falckenstein-Kaserne wurden in der Vergangenheit bereits von Telekom und Deutscher Post genutzt, bis Herbst 2021 waren zwei der Gebäude zudem von der Bundesagentur für Arbeit belegt. In die nun leer stehenden Räumlichkeiten sollen künftig etwa Sanitäranlagen für 750 Personen Einzug halten. Eben diese Zahl, erklärt Thon, sei fortan auch der Richtwert an Besuchern, mit denen der Kulturparkplane. „Wir wollen hier nicht in der Masse arbeiten, sondern mit maximal 1000 Gästen“, betont der 55- Jährige. „Die Leute sollen hierhin kommen, um eine gute Zeit zu haben, und nicht, um in der Schlange vor der Toilette oder der Getränkeausgabe zu stehen.“

Womit Thon denn auch schließlich wieder auf die Überlegungen für den Parkplatz zu sprechen kommt: Auf diesem sollen neben der mobilen Bühne auch ein Co-Working-Space und eine Leiertribüne Platz finden. Ein Skaterpark wäre ebenfalls denkbar, sagt Thon, zudem „werden wir die Grünflächen zwischen den Parkplätzen neu gestalten lassen“. Ergänzend zu den geplanten Konzerten könnte das Areal dann in Zukunft auch für Workshops oder Jugendfreizeiten genutzt werden. „Fest steht beispielsweise schon“, berichtet der 55-Jährige, „dass wir hier im Sommer eine Kulturwoche zum Thema bildende Kunst anbieten werden.“

 

Was im Spektrum möglicher Inhalte bereits anklingt, bringt Thon an dieser Stelle noch einmal auf den Punkt: „Der Kulturpark ist interdisziplinär gedacht und soll sich aus sich heraus entwickeln“, sagt er. „Wir wollen hier nicht mit starren Vorgaben oder rein ergebnisorientiert arbeiten, sondern der Kultur als eigenständiger Lebensäußerung Raum geben.“ Ziel sei es, „Möglichkeiten zu schaffen nach dem Motto: ,Ihr habt eine Idee? Finden wir gut, setzt sie um.‘“ In Sachen Konzepte sei dabei grundsätzlich vieles vorstellbar, „an Möglichkeiten mangelt es hier sicher nicht. Was uns am Ende lediglich überzeugen muss, sind die Menschen dahinter“, sagt Thon und liefert damit zugleich ein gutes Stichwort für einen Blick auf die finanzielle Ausstattung des Projekts: „Verantwortlich für den Kulturpark“, erklärt er, „ist eine neu gegründete Betreibergesellschaft“ – in der die Gewerbepark am Sender GmbH, die Firma ThonTech, Dienstleister im Bereich Showlogistik, und der Steuerberater Jan Plag als Gesellschafter auftreten sollen.

Im Tagesgeschäft sieht die Planung derweil eine „Querfinanzierung vor“, wie Thon erläutert. „Wir wollen hier hochpreisige, qualitativ anspruchsvolle Veranstaltungen ins Programm nehmen.“ Mit deren Gewinnen dann wiederum der wirtschaftliche Rahmen bereitet werden soll für soziokulturelle Angebote, sprich Jugendarbeit, vor allem aber auch die Förderung von Mädchen und jungen Frauen. Auf die Frage hin, was unter solchen hochpreisigen Veranstaltungen zu verstehen sei, nennt Thon etwa das Tourneegeschäft, das in Koblenz bislang brachliege. „Die Bands“, sagt der 55-Jährige, „machen meist einen großen Bogen um die Stadt, weil es hier keine Konzerthallen in der entsprechenden Größe gibt.“ Diesen „weißen Fleck“ wolle der Kulturpark mit seiner Open-Air-Bühne fortan mit Farbe füllen.

Dass vieles im Gewerbepark allerdings auch jetzt schon bunt ist, man auf bestehende Strukturen aufbauen kann, zeigt sich in einem rot geziegelten Kastenbau, der unmittelbar an den Parkplatz angrenzt. In dem auch von innen streng funktional wirkenden Gebäude, in dem bis vor Kurzem die Arbeitsagentur residierte, liegen Schätze hinter Türen: Bereits seit vielen Jahren vermittelt die Firma ThonTech auf dem Gelände Proberäume für Bands.

Ein Park als Bandparadies

Bekannte Gruppen und Künstler wie Farewell Spit oder Caliban sind hier ebenso zu finden wie Hobbymusiker. In Koblenz, sagt Thon, seien Probemöglichkeiten Mangelware, „daher haben wir uns damals schon bemüht, vernünftige Räumlichkeiten zu erschließen, in denen die Musiker sich wohlfühlen, die sie zudem auch individuell gestalten können“, erklärt der 55-Jährige. Schließlich seien geeignete Proberäume – auf dem Gelände des Gewerbeparks sind derzeit 33 belegt – die Grundvoraussetzung für eine vielfältige, eine qualitativ ansprechende Musikszene in der Stadt.

Dazu bietet die Open Air Bühne Gelegenheit um sich bei Konzerten zum gemeinsamen Erleben zu begegnen und zudem den Künstlern des Kulturparks eine Plattform sich zu präsentieren.

Im Zuge der Kulturpark-Gründung sollen in dem barrierefreien Bau nun auch noch Ateliers, ein Projekt- sowie ein Kreativraum entstehen, der beispielsweise für Lesungen gebucht werden kann. In einem anderen Gebäude auf dem Areal gibt es zudem noch einen großen Tanzsaal mit Schwingboden.

Wobei der Kulturpark den Künstlern keineswegs nur Probe-, sondern ebenso Auftrittsmöglichkeiten bieten soll, wie Thon erklärt. Wenn Bands etwa ein Konzert organisieren wollten, könnten sie die Open-Air-Bühne auf dem Parkplatz hierfür „selbstverständlich“ nutzen. Zugleich ist das Gelände schon jetzt – und wird durch den Kulturpark noch mehr – ein Hotspot für Kreative aus unterschiedlichsten Branchen, gegenseitiger Austausch und Synergieeffekte inbegriffen.

Kultur Begegnen
& Ermöglichen!

Ein vielversprechendes, die Koblenzer Kulturszene zweifellos bereicherndes Projekt also, das sein Potenzial bereits von Juni an auf die Straße bringen will – dann nämlich ist mit dem Format „Live am Sender“, bei dem im Gewerbepark probende Bands auftreten, die erste Veranstaltung terminiert. Bis dahin, so Thon, sollen nicht nur die geplanten Sanitäranlagen erschlossen sein, sondern auch ein neuer Parkplatz für 1000 Fahrzeuge gegenüber des Gewerbepark-Areals.

Eine Internetseite, auf der in Zukunft auch ein eigenes Ticketingsystem implementiert werden soll, sei derweil ebenfalls in der Mache – und den ersten Veranstaltungskracher hat Thon schließlich auch schon im Blick. „Es steht noch nicht fest, aber eventuell wird es hier im August einen Ableger des Technoumzugs Rave The Planet geben, der als inoffizieller Nachfolger der Loveparade gilt.“